Erste Schritte der litauischen Post nach Wiedererlangung der Unabhängigleit Litauens 1990 - Forschungsgemeinschaft Litauen

Suchen
.
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Erste Schritte der litauischen Post nach Wiedererlangung der Unabhängigleit Litauens 1990

Lietuvos paštas > Postgeschichte

Erste Schritte der litauischen Post nach Wiedererlangung der Unabhängigleit Litauens 1990

Leonas Veržbolauskas, Kaunas

Die neue Regierung begann, die Verwaltung des Postministeriums, das früher unmittelbar dem Postministerium der UdSSR unterstand, zu reorganisieren. Man be- mühte sich, eine selbständige Organisation zu werden, die eine Mitgliedschaft im Weltpostverein (UPU) erreichen, enge Beziehungen mit ausländischen Postver wal- tungen herstellen und eigene Briefmarken als selbstständige Staatsmerkmale heraus geben konnte. Dieses Vorhaben zu verwirklichen stieß auf Probleme, denn es wurde bisher alles durch die Zentralbehörde in Moskauentschieden. Die gesamte Auslands-Korrespondenz lief über das Zentralpostamt in Moskau und zur Verwendung kamen sowjetische Briefmarken, die für die gesamten Republiken gültig waren. Die sich ge- stellten Aufgaben konnten nur schrittweise verwirklicht werden.
Die erste Maßnahme, die ergriffen wurde, war die Einrichtung einer selbst- ständigen Postverwaltung. Bereits Ende März – Anfang April 1990 wurde angeordnet, dass auf abgehenden Poststücken der zusätzliche Stempel „Lietuvos Respublikos paštas“ (Post Republik Litauen) (Abb.1) abgeschlagen werden sollte. Zusätzlich sollten in den Tagesstempeln das Wappen und die Landesbezeichnung SSSR unkenntlich gemacht bzw. entfernt werden (Abb. 2).

   
Abb. 1 Brief aus Kulautuva nach Kaunas vom 11.04.90 mit zusätzlichem Stempel „Post Republik Litauen“ und aptierten Maschinenstempel von Vilnius

.                                                              
Abb. 2 Sowjetische Tagesstempel mit aptierten Wappen und Landesbezeichnung SSSR

Aufgrund einer weiteren Anordnung musste der gesamte russische Text aus den Tagesstempeln entfernt werden (Abb. 3)


Abb. 3 Tagesstempel mit aptiertem russischen Text

Am 17. Mai 1990 wurde die erste litauische Ganzsache ausgegeben (Abb. 4). Ein Vermerk auf der Umschlagklappe wies darauf hin, dass die Ganzsache nur für den Postverkehr innerhalb Litauens zugelassen war. Ganzsachen mit beigeklebten sowjetischen Briefmarken wurden auch ins Ausland befördert.


Abb. 4 Erste litauische Ganzsache mit aptiertem Ersttagsstempel


Die litauische Postverwaltung vergab an hiesige Druckereien den Auftrag, Briefmarken zu drucken. Obwohl es an Erfahrungen und an entsprechendem Gerät fehlte, erschien am 7. Oktober 1990 die erste Freimarkenserie zu vier Werten (Abb. 5). Als Vorlage diente der Entwurf von V. Skabeikienė, der einen stilisierten Engel vor dem Umriss Litauens zeigt. Die Marken der Freimarkenserie sind ungezähnt und ungummiert. Die Gültigkeit der ersten Freimarkenserie endete am 28. Februar 1994. Offenbar wegen des hohen Aufkommens an Korrespondenz bzw. aufgrund Gorbatschows „Perestroika“ wurden Briefe, die mit litauischen Briefmarken freigemacht waren, in andere Sowjetrepubliken und ins Ausland befördert (Abb. 6)



Abb. 5 Ersttagsbrief mit der ersten litauischen Freimarkenserie


Abb. 6 Brief nach Rumänien vom 27.10.1990 mit Mischfrankatur aus litauischen und sowjetischen Briefmarken

Bereits am 23, Juli 1990 schlossen die drei Baltischen Staaten ein Postabkommen, u.a. die Briefmarken des jeweiligen Landes anzuerkennen. Ebenso wurde ein reibungsloser Postverkehr zwischen den Staaten Estland, Lettland und Litauen vereinbart (Abb. 7).


Abb. 7 Ersttagsbrief von Kaunas vom 07.10.1990 nach Riga in Lettland, nur mit litauischen Briefmarken frankiert.

Am 1. Februar 1991 wurden die litauischen Briefmarken von der Republik Weißrussland anerkannt. Gleichzeitig wurden in Moskau Verhandlungen aufge- nommen, um eine Anerkennung der litauischen Briefmarken zu erwirken. Am 5. Februar 1991 unterzeichneten der stellvertretende Kommunikationsminister der UdSSR und der Vertreter der litauischen Republik dieses Abkommen. Es wurden folgende Vereinbarungen getroffen:


1. dass Briefmarken, die durch die Republik Litauens verausgabt werden, auf dem Territorium Litauens verwendet werden     dürfen und in den Sowjetrepubliken im    Postverkehr anerkannt werden.
2. dass notwendige Konsultationen über den Postverkehr durchgeführt werden sollten.
3. die Festlegung eines Verfahrens über die Abrechnung gegenseitiger Postdienstleistungen innerhalb der Grenzen der Sowjetunion.

Dieses Protokoll war sehr wichtig für die Republik Litauen, ermöglichte es doch für den Auslandspostverkehr litauische oder sowjetische Briefmarken zu nutzen. Mischfrankaturen waren ebenfalls erlaubt. Am 16. September 1991 wurden auf Anordnung des Ministeriums die sowjetischen Briefmarken aus dem Verkehr gezogen. Postdienstleistungen sollten nur gewährt werden, wenn die Postsendungen mit litauischen Briefmarken freigemacht wurden. Die Postbediensteten wurden verpflichtet zu kontrollieren, dass Postsendungen nicht mehr mit sowjetischen Briefmarken trugen. Nach einigen Tagen (20.09.) wurde die Verordnung wieder geändert. Auf Kundenwunsch uns aus Ermangelung litauischer Briefmarken war die Verwendung von beschafften sowjetischen Briefmarken bis zum 1. Januar 1992 erlaubt (Abb. 8).



Abb.8 Brief in die Niederlande mit Mischfrankatur vom 31.12.1991 - dem letzten Gültigkeitstag sowjetischer Briefmarken in Litauen (Auslands-Luftpost-Porto 1,3 Rb)

Die zweite Freimarkenserie mit Motiv Engel wurde von der Druckerei Spindulys in Kaunas gedruckt. Die Ausgaben, mit nationalen Symbolen, wurden in Leipzig gedruckt. Lange Zeit wurden diese Ausgaben an der Grenze von sowjetischen Behörden festgehalten. Dies verursachte schnell einen Mangel an Briefmarken im Lande. Deshalb wurde mit Verordnung vom 21. November 1991 erlaubt, die Postgebühren für Briefe über 20 Gramm, Streifenbänder und Wertbriefe bar zu bezahlen. Gewicht und Postgebühr musste auf dem Brief mit Unterschrift des Postangestellten und Tagesstempel vermerkt werden.


Abb. 9 Inlands-Rekobrief von Radviliškis nach Kaunas vom 23.01.1992, die sowjetische Briefmarke wurde ungültig gemacht, Gewicht und das Porto von 2,00 Rb. handschriftlich vermerkt und mit Unterschrift und Tagesstempel bestätigt.

Wegen Papiermangels wurde es den Postämtern erlaubt, noch vorhandene sowjetische Ganzsachen zu verkaufen und für den Postverkehr zuzulassen. Das eingedruckte sowjetische Wertzeichen musste mit einem speziellen Aufdruck ungültig gemacht werden. Von diesen Aufdrucken auf sowjetischen Ganzsachen gibt es eine Vielzahl von Typen des Aufdrucks und der Wertbezeichnung. Die ersten Umschläge mit Aufdruck kamen Ende Oktober 1991 in den Postverkehr (Abb. 10). Aufgrund der Inflation wurden 1992 bis 1993 auch litauische Ganzsachenumschläge mit Aufdrucken versehen.


Abb. 10 Luftpostbrief von Vilnius nach Leningrad vom 04.11.1991. Aufdruck mit neuer Wertbezeichnung von 100 Kopeken.

Am 10. Januar 1992 nahm der Weltpostverein (UPU) Litauen als Vollmitglied auf. Am 13. Februar 1992 wurde das erste Mal Post nach Westeuropa in Containern über den Fährweg Klaipėda – Mukran versandt. Zuerst wurde Post nur einmal pro Woche per Container nach Klaipėda befördert, ab dem 27. April 1992 dann jeden Tag Post von Vilnius per Zug nach Klaipėda transportiert. Über das Zentralpostamt in Moskau wurde die Post aus Litauen u.a. weiter geleitet nach China, Mongolei, Nord-Korea, Afghanistan, Iran und Irak. Über die Eisenbahnstrecke Riga – Vilnius – Kiew wurde die Post in die Ukraine, Bulgarien, Ungarn und Türkei abgeleitet, ebenfalls über Riga die Post nach Estland und in die skandinavischen Länder. Die erste Luftpost erfolgte am 31.03.1992 mit einer Maschine der skandinavischen Fluggesellschaft SAS.
Im Rahmen einer Rechtschreibreform vom 7. Juli 1992 wurde die Schreib- weise des Datums in Tagesstempeln geändert. Nach ISO-Norm ISO 8601:2004-12 war das Datum wie JJJJ-MM-TT zu schreiben (Abb. 11). Am 1. Oktober 1992 kam es in Litauen zur ersten Währungsreform, die Währung Rubel wurde außer Kraft gesetzt und die Währung Talonas eingeführt. Nach kurzer Übergangszeit erhielt Litauen die Währung Litas. Zu den Parlamentswahlen am 25. Oktober 1992 konnte das erste Mal per Briefwahl gewählt werden. Die Wahlbriefe waren portofrei und wurden durch die Post in den Wahllokalen zugestellt (Abb. 12).


Abb. 11 Tagesstempel mit neuer Schreibweise.


Abb.12 Wahlumschlag zur Wahl des Parlaments am 25.10.1992

Literatur:
1. Lietuvos paštas (Post Litauens) zusammengestellt von Z. Steponavičius, 1998
2. Filatelija Lietuvoje (Philatelie in Litauen) Zeitschrift 1990 Nr. 3, 1991 Nr. 6
3. Paštas ir Filatelija Lietuvoje (Post und Philatelie in Litauen) Zeitschrift 1993 Nr. 3, 1995 Nr. 14-15, 1998 Nr. 37


 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü