Nachruf Prof. Dr. Udo Klein - Forschungsgemeinschaft Litauen

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Nachruf Prof. Dr. Udo Klein

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Nachruf Prof. Dr. Udo Klein von Thilo Nagler

„Im Kleinen ganz Groß“ möchte man titeln, wenn es um einen eingefleischten Philatelisten geht. Als langjähriger Prüfer für Briefmarken mittels wissenschaftlichem Mikroskop demonstrierte Prof. Dr. Udo Klein, wie mikroskopisch kleine Dinge ganz große Auswirkungen haben können. Im Alter von 82 Jahren ist Prof. Dr. Udo Klein am 2. November 2014 in Wilnsdorf verstorben.
Geboren wurde er 1932 in Königsberg und wuchs in einem kleinen Dorf Namens Brandenburg auf. Sein Vater leitete die dortige Schule. Kurz nach seinem 13. Geburtstag flüchtete die Familie im Februar 1945 über das zugefrorene Haff vor der Roten Armee nach Danzig. Ein Kriegsschiff brachte die Familie in ein Flüchtlingslager
nach Dänemark, das zur damaligen Zeit noch von Deutschland besetzt war. Das Ziel ihrer Flucht war die Stadt Hamburg, die sie im Frühjahr 1945 erreichten. Nach dem Abitur und dem Studium der Humanmedizin, arbeitete Prof. Dr. Udo Klein u. a. als Schiffsarzt und später als Professor an der Uniklinik in Kiel. Darüber hinaus bereicherten mehrjährige Forschungsaufenthalte in Amerika sein Berufsleben. Nach der Rückkehr nach Kiel bewarb er sich um eine Stelle als Radiologe und Chefarzt im Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen. Hier setzte er sich gegen mehrere Mitbewerber durch und trat 1977 seinen Dienst an und baute die neu eröffnete radiologische Abteilung auf. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1997 war er als Chefarzt der Radiologie tätig.Schon als Kind im ostpreußischen Brandenburg hatte er sich für das Briefmarkensammeln interessiert. Jedoch durch die Flucht, das Studium und die ersten Berufsjahre fehlte die Zeit für die Philatelie. Später fand er in Erinnerung an seine alte Heimat zur Philatelie zurück. Die Deutschen Ostgebiete des Ersten und Zweiten Weltkriegs hatten es ihm besonders angetan. Deshalb gehörten Memel, Deutsche Besetzung Estland und Litauen, Danzig und vor allem Marienwerder zu seinen Kerngebieten. Diese Überdruckserien faszinierten ihn so sehr, dass er aufgrund der Fälschungsproblematik aus naturwissenschaftlicher Sicht anfing zu forschen. „Ich habe mir die Marken bzw. die Farben der Aufdrucke unter dem Mikroskop mal angesehen und zwar im Durchlicht“, hörte man oft von ihm. „Bei 600facher Vergrößerung sieht man die Eigenschaften einer Druckfarbe. Spezifische Farbpigmente sind zu erkennen und Schwarz ist oft nicht Schwarz. Andere Farben und Beimischungen werden deutlich.“ Er kam ins Gespräch mit anderen Prüfern und hakte nach, wie diese zu ihren Prüfergebnissen kamen. Schon bald enttarnte er Fehlprüfungen und wurde um Beitritt in den Bund Philatelistischer Prüfer e.V. gebeten. Im Jahre 1992 wurde er Prüfer im BPP für das Gebiet Marienwerder. Über die Jahre kamen weitere Prüfgebiete hinzu. Mit seiner Prüfmethodik der Durchlichtmikroskopie revolutionierte er das Prüfwesen nachhaltig. Nachdrucke insbesondere diverser Überdruckausgaben von Originaldruckklischees konnten nun bestimmt werden. Er wurde zum Ansprechpartner vieler Prüfer, Sammler und sogar dem Landeskriminalamt für individuelle Fragen. 2010 war er Gründungsmitglied des Verbands Philatelistischer Prüfer e.V., dessen Vorsitz er für die ersten Jahre übernahm. Aus gesundheitlichen Gründen und auf eigenem Wunsch beendete er im Juli 2014 seine Prüftätigkeit.
Ich lernte 1996 Prof. Dr. Udo Klein während seines Vortrags zur Fälschungserkennung mittels Mikroskop kennen. Fasziniert von seinem Vortrag, ließ das Thema Mikroskopie in der Philatelie mich nicht mehr los. Ich durfte einen Menschen kennen lernen, der mit seinem Wissen nie geizte; denn „Prüfgeheimnisse“ gab es für ihn nicht. Auf alle meine Fragen erhielt ich immer klare Antworten und eine passende kuriose oder komische Begebenheit dazu. Der Grundstein für meine Interesse an einer Prüftätigkeit war gelegt. Fast 20 Jahre konnte ich von ihm lernen. Er begeisterte mich von seinen Ideen und Blickwinkeln.

Lieber Udo, ich habe nicht nur einen großen Lehrer, sondern auch einen guten Freund verloren und das philatelistische Prüfwesen einen Querdenker und Forscher. Für die vielen lehrhaften Stunden mit dir möchte ich dir herzlichst danken. Ich werde dein Wissen in Ehren halten und es an zukünftige Prüfergenerationen mit gleicher Begeisterung und Offenheit weitergeben.

Meine Anteilnahme und mein Beileid spreche ich im Namen des Verbands Philatelistischer Prüfer e.V. seiner Frau Marret Klein, seinen beiden Kindern und allen Anverwandten aus.

Thilo Nagler
im November 2014

Foto: Thilo Nagler

 
 
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