vor 80 Jahren - Forschungsgemeinschaft Litauen

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vor 80 Jahren

Rückblick

Briefmarkenausgabe (Flugpostausgabe) zum Tod der Ozeanflieger Darius und Girėnas

Erstausgabetag: 18. Mai 1934       

Der Flug der beiden Piloten Steponas Darius und Stasys Girėnas hat in der neuen Geschichte Litauens einen ganz besonderen Stellenwert. Steht er doch sinnbildlich für das Streben nach Größe und das tragische Scheitern dabei, eine Parallelität der Ereignisse zwischen dem Absturz kurz vor dem Ziel nach voll-brachter Ozeanüberquerung und dem Verlust der Unabhängigkeit nach 22 Jahren staatlicher Existenz. Der Flug nahm das Trauma des Verlustes schon vorweg. Die Wiederholung der fliegerischen Großtat zwei Jahre später durch den erst 28 Jahre alten Felix Vaitkus hat dies nicht überdecken können, die Hel-den sind immer Darius und Girėnas geblieben, während Vaitkus unverdientermaßen geringere Beachtung fand.


Darius und Gir
ėnas


Die Begeisterung für die Fliegerei war in Litauen seit seiner Wiedererstehung schon immer groß gewesen. Die beiden litauischstämmigen Amerikaner Darius und Gir
ėnas verwirklichten einen Traum und bezahlten ihn mit ihrem Leben. Beide Piloten waren in den 1890er Jahren in Litauen geboren (9. 1. 1897 bzw. 1895) und als Kinder 1907 bzw. 1910 mit ihren Eltern in die USA emigriert. Beide nahmen am I. Welt-krieg auf amerikanischer Seite teil. Steponas Darius (amerikanisch Stephen Darius) erreichte den Rang eines Leutnants in der US-Armee. Stasys Girėnas (amerikanisch Stanley Girenas) kämpfte in der litauisch-amerikanischen Brigade im Unabhän-gigkeitskrieg seines Landes gegen Russen und Polen. Danach war er Angehöriger der entstehenden litaui-schen  Luftwaffe, verließ diese 1927 im Range eines Captains (litauisch kapi-tonas), kehrte in die USA zurück und arbeitete dort als ziviler Pilot. Darius hatte 1927 in Paris die Landung Lindberghs nach dessen Erstüber-querung des Atlantiks erlebt. Nach dieser Pionierleistung setzte ein An-sturm auf fliegerische Leistungen ein, so träumten auch die beiden Litauer Anfang der 30er Jahre davon „to put Lithuania on the map" (Baumgartner). Sie erwarben mit ihren gesamten  Ersparnissen am 18. 6. 1932 für $ 3200 eine gebrauchte Bellanca CH-300 Pacemaker, ein Typ, der sich schon bei mehreren Rekordflügen bewährt hatte. Lokale Kommitees wurden gegründet, um Geld für notwendige Umbauten des betagten Flugzeuges und die Ausrüstung zu beschaffen. 8456 Dollar kamen zusammen, das Flugzeug wurde für 8345 $ erneuert, aber ein Flug scheiterte in der folgenden Zeit an diversen Problemen.
Im Juli 1933 veranstaltete der berühmte italienische Flieger und spätere Luftmarschall Italo Balbo mit einer Flotte von 25 Wasserflugzeugen einen Flug von Rom zur Weltausstellung in Chicago, gleichzeitig bereitete sich der Amerikaner Wiley Post auf seinen Flug um den Erdball vor. Nun wurde es Zeit für die beiden Litauer, ihren Transatlantikflug zu starten, wollten sie nicht riskieren, dass ihnen „die Show gestoh-len"  wurde  und  sie  keine   Beachtung mehr fanden. So wurde das Flugzeug zum  Floyd Bennet Field  in  New  York geflogen, letzte Tests durchgeführt und  auf passendes  Wetter gewartet. Wiley Post startete am 15. Juli um 4:10 Uhr morgens, Balbo landete am gleichen Tag erfolgreich mit seiner Flotte auf dem Lake Michigan bei Chicago. Der 16. 7. 1933 sollte der Litauen-Tag auf der Weltausstellung in Chicago mit vielen offiziellen Veranstaltungen sein. Auf-schub war nun nicht mehr möglich, und so starteten Darius und Gir
ėnas am 15. Juli 1933 kurz nach Wiley Post um 6:24 Uhr morgens zu ihrem Nonstop-Flug mit der geplanten, 7186 km langen Flugroute über Neufundland, London und Königsberg nach Kaunas, nicht ohne einen Postsack mit etwa 1000 Flugpostbriefen mitzunehmen. Dies hatte man sich als offiziellen Posttrans-port von der amerikanischen und litaui-schen Post bestätigen lassen, womit die „Lituanica" das erste Flugzeug war, das Briefe über den Atlantik beförderte. Der litauische Konsul konnte am nächsten Tag auf der Weltausstellung mit einem 19-Schuss-Salut den Flug verkünden.
Das Flugzeug geriet in Gegenwinde und musste, nur mit einem Kompass aus-gestattet, einen anderen Kurs nehmen. Noch hatten die Flieger Glück, die erste Nacht vom 15. auf den 16. Juli war sternenklar und die Atlantiküberquerung glückte, aber nach 6411 Kilome-tern waren die Treibstofftanks leer und die beiden Piloten suchten um Mitter-nacht einen Notlandeplatz in Pommern, nur 650 km vom Ziel Kaunas entfernt. Viele Spekulationen kursierten über die folgenden Ereignisse, gipfelnd in Mutmaßungen über einen Abschuss des Flugzeuges durch deutsche Waffen, was jeder Grundlage entbehr
t. Edmundas Jasiūnas, zeitweise Chefredakteur des LPSC, hat den Atlantikflug am genauesten untersucht und dies in seinem Buch „Darius-Girėnas, 1933-1983" veröffent-licht. Seine Version ist die heute geläufige und sei hier in der verkürzten Übersetzung von Witold Fugalewitsch (2004) zitiert:

„Der Sturm über dem Atlantik zwang die ´Lituanica` von der vorgesehenen Flugroute abzuweichen. Nach Überfliegen Neu-schottlands und der Nordsee erreichte das Flugzeug deutsches Gebiet. Im Korridor von Danzig und in Ostpreussen herrschte ein sehr starker Sturm und versperrte ihm den Weiterflug nach Litauen. Die Flieger mussten die Flugrichtung ändern, nach Süden abdrehen und wahrscheinlich einen geeigneten Lande-platz suchen.
Gegen 11 Uhr abends [des 16. Juli] hat man in Stargard/ Pommern die Fluggeräusche eines unbekannten Flugzeuges gehört. Später gegen 1 Uhr 15 Min. kreiste es über dem RAD[Reichsarbeitsdienst]-Arbeitslager in Berlynchen, drehte dort mehrere Runden, schoss eine Leuchtrakete ab und flog weiter in Richtung Süden. Die Nacht war regnerisch, neblig und dunkel. In der Nähe des Dorfes Kuhdamm hörte nach Mitternacht ein Bauer das Summen eines Flugzeuges und später in der Ferne einen dumpfen Knall.Am nächsten Morgen haben Frauen, die Pilze gesucht oder Beeren gesammelt haben, das Flugzeugwrack gefunden und die Ortsbehörde benachrichtigt.
Das Unglück ereignete sich in Pommern etwa 10 km südlich des Städtchens Soldin und etwa 120 km nordöstlich von Berlin. Das Flugzeug hat beim Fliegen einige auf einem Hügel wachsende Kiefern gestreift und beim Absturz dann drei kräftige Kiefern abgebrochen. Mehrere hundert Meter weiter hörte das Wäld-chen auf und eine zum Landen geeignete Wiese breitete sich aus."


Die Flugpostausgabe vom 18. Mai 1934

     


     



Satzbrief der Flugpostausgabe vom 18. Mai 1934

Die Entstehungsgeschichte der Ausgabe

Zum Gedenken des erfolgreichen Atlantikfluges und des tragischen Ab-sturzes sollten Marken erscheinen, die internationalen Standards entsprachen, was man für den Steindruck, mit dem Spindulys arbeitete, nicht behaupten konnte. Es wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, zu dem 27 litauische Künstler Entwürfe einreichten. Den Druckauftrag vergab man, wie auch schon für die Litas-Banknoten und für zwei folgende Ausgaben (60. Geburtstag Smetonas und 20 Jahre Unabhängigkeit), an den renommierten britischen Betrieb Bradbury Wilkinson, New Malden in der Grafschaft Surrey. In den letzten Jahren sind durch die Auflösung des Archives dieser Druckerei wunderschöne Farbproben und Probedrucke auf den Markt gekommen, die den hohen technischen und künstlerischen Stan-dard belegen. Zur technischen Anfer-tigung dieser Serie ist wenig bekannt. Abarten bis auf leichte Passerverschiebungen existieren wohl nicht.
Es gelang tatsächlich, in Design und Ausführung sehr ansprechende Marken herauszugeben, die bis zum Ende der Republik in großer Anzahl verwendet wurden, allerdings weniger auf Flug-postbriefen, vielmehr auf Normalbriefen bzw. die höheren Werte auf Formularen wie Überweisungen und Paketkarten. Deshalb und aufgrund der hohen Auflagen kann man hier von einer Freimarkenserie sprechen.

Vorlagekartons

     


 
 
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